Standing Ovation bei orientalisch-bunter Premiere von „Aladin“ auf der Clingenburg.
Die Welt von Tausendundeiner Nacht, das sind bunte Farben, orientalische Gewänder, fliegende Teppiche, Prinzessin, Sultan und böser Zauberer. In diese fremde und verlockende Welt durften die vielen kleinen und großen Besucher bei der gelungenen Premiere von „Aladin“ auf der Clingenburg eintauchen und erfahren, dass Zusammenhalt und Gemeinschaft viele Probleme überwinden kann.

Aladin (Larius Phoulivong) verbringt viel Zeit im Schloss des Sultans (herausragend liebenswert-naiv verkörpert durch Günther Brenner), da seine Mutter Nasra (Franziska Lißmeier als überbehütende Glucke) dort als Wäscherin arbeitet. Der hübsche und intelligente Junge spielt viel mit Prinzessin Jasmin (Sandra Leitner), der Tochter des Sultans. Dabei kommen sich die beiden näher und verlieben sich. Jasmin würde zu gern Aladins Heiratsantrag annehmen, wäre da nicht das Problem der Brautgabe: Während der heimtückische Großwesir Omar al-Kamil (genial böse und wahnsinnig komisch zugleich: Maik Eckhardt) mit Kamelen, Schafen, kobaltblauem Porzellan, Gold und Edelsteinen aufwarten kann, ist Aladin bettelarm und nicht standesgemäß. Kein Wunder, dass der Sultan auf die Ehe mit al-Kamil drängt – es sei denn, Aladin schafft es, eine ebenbürtige Brautgabe aufzutreiben.

Aladin und die anderen Geschichten aus Tausendundeiner Nacht sind schon immer auch ein fernes Sehnsuchtsland, voll fremder Gerüche, Farben und Bilder: Für das Stück verwandelt sich die Ruine der Clingenburg in eine kunterbunte orientalische Märchenwelt. Überall wehen farbenfroh gemusterte Tücher, die Schauspieler stecken in Haremshosen, glitzernden Gewändern und der Sultan trägt einen riesigen goldenen Turban. In dieser Welt ist alles möglich, denn es gibt Geister aus Ringen oder Wunderlampen und sogar einen fliegenden Teppich.

Aladin beweist großen Mut und muss gegen einen gierigen Magier bestehen, um die Tochter des Sultans zur Frau zu bekommen.

Manipulation ist der Überbegriff der diesjährigen Clingenburg-Festspiele und auch im uralten Märchen von Aladin wird manipuliert: Der machthungrige Großwesir Omar al-Kamil ist der Manipulator im Stück, denn er bringt mit falschen Versprechungen den Sultan dazu, ihm seine Tochter und sein Königreich zu geben. Genauso, wie er auch Aladin überredet, ihm die Wunderlampe aus einer für ihn unerreichbaren Höhle zu bringen. Gegen Manipulation hilft Zusammenhalt und das zeigen auch die sechs Schauspieler, die alle ständig auf der Bühne sind und durch schnelle Kostümwechsel in ihre Rollen schlüpfen oder die Szenerie tatkräftig im Hintergrund unterstützen, wenn gerade andere Figuren im Mittelpunkt stehen. Auch der letztendlich alle Probleme lösende, riesige Geist aus der Wunderlampe baut sich vor Aladin aus den restlichen fünf Darstellern auf. Alle zusammen enthüllen folglich die heimtückischen Ränke des Großwesirs und zeigen so, dass man nicht mit Lügen und falschen Wahrheiten, sondern mit Gemeinschaft ans Ziel kommt.

Trotz dieser ernsten Botschaft ist Aladin vor allem ein Stück zum Lachen, wenn zum Beispiel der mächtige Sultan immer wieder den Namen des Großwesirs verwechselt und ihn Al-Kamel, Al-Kanül oder Al-Kanal nennt. Oder wenn seine Tochter, die seine Schusseligkeit in noch stärkerem Maße geerbt hat, ständig Worte verdreht und statt von Standesbewusstsein von Stangenbewusstsein, von Heiratsvortrag statt Heiratsantrag oder von hochnasig statt hochnäsig spricht. Auch die in das Stück humoristisch eingebetteten Schlager und Werbeslogans sorgen im Publikum für einige Lacher und stellen einen erfrischenden Kontrast dar: So ist das Werben Aladins um Prinzessin Jasmin ein Potpourri aus bekannten Melodien mit auf das Stück zugeschnittenen Texten. Auch der angebliche Onkel Aladins, der in Wirklichkeit der verkleidete Großwesir und Zauberer Omar al-Kamil ist, bringt durch sein Sächseln die Zuschauer zum Lachen. Ganz besonders sticht Susanne Anders in ihrer entzückenden Rolle als reimender Geist des Rings hervor, der sich gegenüber seinem entsetzten Herren als „Mini-Dschinni“ in Ausbildung zu erkennen gibt und gar nicht all das herbeizaubern kann, was der böse Großwesir von ihr verlangt.
In all dem bunten Trubel gibt es aber auch einen großen, stillen Moment, der das Publikum andächtig lauschen lässt. Als der Ringgeist nach einigen Startschwierigkeiten den alten Teppich endlich zum Fliegen bringt und der just in diesem Moment aufkommende Wind in die aufgehängten Laken und die Haare der Insassen fährt, dass man schon glaubten könnte, das Gefährt flöge tatsächlich. Wenn dann Prinzessin Jasmin ihrem geliebten Aladin bis in den Himmel nachblickt, nach der Gitarre greift und ein wehmütiges „Über den Wolken“ anstimmt, dann ist es ganz still vor der Bühne. Denn über den Wolken, da gibt es keine materiellen Zwänge, keine standesgemäßen Heiraten und auch keine manipulativen, machtgierigen Zauberer – da könnten Aladin und Jasmin frei ihre Liebe leben.

Doch zum Glück können die beiden – dank der tatkräftigen Hilfe des putzigen Mini-Dschinnis – die Ränke des Großwesirs aufdecken, die geforderte Brautgabe stellen und letztendlich mit der Zustimmung des Sultans heiraten. Für all diese komischen, absurden und nachdenklichen Momente danken die kleinen und großen Zuschauer den Darstellern bei ihrem begeisterten Schlussapplaus mit Johlen, Trampeln, Klatschen und stehen endlich auch geschlossen auf – Standing Ovation für die Premieren-Vorstellung von „Aladin“ auf der Clingenburg!